Eberhard Lauth schreibt in seinem
Blog "ZiB" über ein Interview, das der "Standard" mit William M. Johnston, einem guten Kenner des Österreichertums, geführt hat. Johnaston hat ein neues Buch geschrieben, “Der österreichische Mensch. Kulturgeschichte der Eigenart Österreichs”, ich kenne ihn vor allem wegen seines Buches"Österreichische Kultur- und Geistesgeschichte", ein Buch, das man, wenn man in Wien Geschichte studiert hat, einfach gelesen haben muss, und das ich auch heute noch sehr gerne mag.
Lauth thematisiert nun, das von Johnston angesprochene Zusammenleben von Österreichern und Nicht-Österreichern in der Monarchie. Ein ungemein spannendes Thema. Nun war das Zusammenleben in der Monarchie natürlich ganz und gar nicht unproblematisch, es gab große Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Ethnien der Monarchie.
Lauth plädiert nun für eine Beschäftigung mit der eigenen Geschichte. Nun, da bin ich sehr dafür. Nur wie? Die österreichische Geschichtswissenschaft publiziert viel, nur wird sie außerhalb der akademischen Zirkel kaum rezipiert. Die Tageszeitungen, die sich Qualitätszeitungen nennen, wie "Der Standard" oder "Die Presse" haben ein Feuilleton, das ein schlechter Scherz ist. Kaum Besprechungen von wissenschaftlichen Büchern, keine Auseinandersetzung mit der Geschichte vor 1918.
Gerade das von Lauth über Johnston angesprochene Thema des Zusammenlebens verschiedener Ethnien, aber auch des sich Bewußtwerdens, dass es da vor 1918 einiges gab, was durchaus zu bedenken ist (ob positiv oder negativ, dazu äußere ich mich nicht), ist spannend und wichtig. Das allerdings nach 1945 in der österreichischen Geschichtswissenschaft ein starker patriotischer Zug entstanden ist, der daran arbeitete ein Österreichbewußtsein zu schaffen, das sollte nicht verhehlt werden. Und es war wichtig und richtig! Als letztes Ergebnis kann man da die 15bändige "
Österreichische Geschichte", die von
Herwig Wolfram initiiert wurde. HIer hat man eine feste Basis, von der aus man diskutieren kann. Dazu sollte man auch die von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften herausgegebene Reihe "Die Habsburgermonarchie 1848-1918" heranziehen. Ich verweise hier nur auf diese Bände:
Band III
ADAM WANDRUSZKA, PETER URBANITSCH (Hgg.), Die Völker des Reiches.
1. Teilband Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 1980. XVIII 774 S., 2 Graphiken, 83 Tabellen. ISBN 3-7001-0217-8
2. Teilband Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 1980. XII+697 S., 11 Tabellen, 1 Faltkarte. ISBN 3-7001-0377-8
Man sollte sich nochmals ganz genau ansehen, wie mit der Geschichte Österreichs umgegangen wurde und wird. Auch mit den Jubiläen. Und, ganz wichtig, man sollte sich auch einmal die politischen Folgen des Ausgleiches von 1867 ansehen. Denn dieser Ausgleich, der hat dafür gesorgt, dass die Monarchie zwei Ethnien bevorzugte und der Rest musste sich zurückgesetzt fühlen.
Zu den Jubiläen:
Stefan Spevak, Das Jubiläum "950 Jahre Österreich". Eine Aktion zur Schaffung eines österreichischen Staats- und Kulturbewußtseins im Jahre 1946 (, Veröffentlichungen des IfÖG 37, Wien-München 2003).
Richard G. PLASCHKA – Gerald STOURZH – Jan Paul NIEDERKORN (Hg.), Was heißt Österreich? Inhalt und Umfang des Österreichbegriffes vom 10. Jahrhundert bis heute (Verlag der ÖAW, Wien 1995)
Dazu natürlich noch der Ausstellungskatalog der "Ostarrichi" Ausstellung von 1996.
Schade finde ich, dass Johnston keinen Band über die Kulturgeschichte Österreichs in der Reihe der "Österreichischen Geschichte" geschrieben hat.
ThomasJust - 21. Okt, 19:55